Einen alten Baum verpflanzt man nicht!

 

Information zur Pflegestufe

Welche Pflegestufen gibt es? Derzeit trifft der Gesetzgeber eine Einstufung in 4 Pflegestufen.

Pflegestufe I

liegt bei erheblicher Pflegebedürftigkeit vor, das bedeutet, dass Hilfebedarf mindestens 90 Minuten pro Tag besteht. Davon müssen mindestens 45 Minuten für die Grundpflege verwendet werden.

Pflegestufe II

liegt bei schwerer Pflegebedürftigkeit vor, hier beträgt der Hilfebedarf mindestens 180 Minuten pro Tag, der Grundpflegebedarf mindestens 120 Minuten.

Pflegestufe III

liegt bei schwerster Pflegebedürftigkeit vor, bedeutet ein Hilfebedarf von mindestens 300 Minuten am Tag, davon mindestens 240 Minuten für die Grundpflege.

Wenn der Pflegeaufwand das Maß der 3. Pflegestufe stark übersteigt, dann könnte ein Härtefall vorliegen. Die gesetzliche Pflegekasse kann in diesen Fällen weitere Leistungen gewähren.

Pflegestufe 0

Viele Menschen, die regelmäßig Unterstützung brauchen, um in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, sind nicht auf so umfangreiche Hilfen angewiesen. Das wird in der Umgangssprache Pflegestufe 0 genannt.

Wenn "eingeschränkte Alltagskompetenz" bescheinigt wurde, können seit dem 1.1.2013 für diesen Personenkreis monatlich 120 € Pflegegeld gezahlt werden.

 

"erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz"

Demenz

In öffentlichen Debatten wird seit vielen Jahren beklagt, dass der Hilfebedarf, der infolge einer Demenz entsteht sehr unzureichend berücksichtigt wird. Für die Einstufung in eine Pflegestufe werden nur Hilfen berücksichtigt, die für einige Verrichtungen des Alltags nötig sind. Diese Hilfeleistungen können durch psychische Erkrankung verursacht oder erschwert werden (mehr zum Pflegebedarf).

Die Alzheimer Krankheit ist eine Sonderform der Demenz. Es gibt auch andere Erkrankungen, die im Alltag ähnliche Folgen haben können. In den Richtlinien zur Einstufung (BRi) wird deshalb nicht eine bestimmte Diagnose sondern die "erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz" zum Maßstab genommen (§ 45a SGB XI). Dieser Begriff umfasst unterschiedliche Bereiche von Hilfebedarf. Hier ist die Liste dazu:

1. unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches (Weglauftendenz);

2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen;

3. unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen;

4. tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation;

5. im situativen Kontext inadäquates Verhalten;

6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen;

7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung;

8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben;

9. Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus;

10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren

11. Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren

12. Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten

13. Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression

Wieviel Pflegegeld gibt es vom Staat?

Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt bei häuslicher Pflege durch eine selbst bestellte Pflegeperson (z.B. Familienangehörige) zur Zeit etwa ein Pflegegeld von monatlich :

Pflegestufe 0 : (mit eingeschr. Alltagskompetenz) Pflegegeld : 123€

Pflegesachleistungen: bis zu 231 €/Monat

Pflegestufe 1 : Pflegegeld: 244 € Pflegesachleistungen: bis zu 468€

mit eingeschr. Alltagskompetenz 316 € Pflegesachleistungen: bis zu 689 €/Monat

Pflegestufe 2 : Pflegegeld: 458 € Pflegesachleistungen: bis zu 1.144 €/Monat

mit eingeschr. Alltagskompetenz 545 € Pflegesachleistungen: bis zu 1.298 €/Monat

Pflegestufe 3 : Pflegegeld: 728 € Pflegesachleistungen: bis zu 1.612 €/Monat

auch mit eingeschr. Alltagskompetenz nichts zusätzlich

Ab dem 1. Januar 2015 wurden zusätzliche Betreuungsleistungen um die Möglichkeit ergänzt, niedrigschwellige Entlastungsleistungen in Anspruch zu nehmen.

Wer seinen Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen nicht voll ausschöpft, kann zudem ab 1. Januar 2015 den nicht für den Bezug von ambulanten Sachleistungen genutzten Betrag – maximal aber 40 Prozent des hierfür vorgesehenen Leistungsbetrages – für niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote verwenden.

Ausblick auf 2017: 5 Pflegegrade ersetzen die 3 Pflegestufen

 

Aufgrund der größten bisherigen Pflegereform in Deutschland, dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II), wird ab 2017 ein ganz neues System zur Einschätzung von körperlich Erkrankten, Demenzkranken, psychisch Kranken und geistig behinderten Antragstellern auf Pflegeleistungen eingeführt. Diese Neuregelung bewirkt, dass die 3 bisher geltenden Pflegestufen durch 5 neue Pflegerade ersetzt werden. Mit dem neuen Prüfverfahren NBA (Neues Begutachtungsassessment) werden Gutachter in Zukunft den vorhandenen Grad der Selbstständigkeit des Antragstellers oder des Pflegebedürftigen beurteilen. Die Bewertung erfolgt mittels der Vergabe von Punkten pro Bewertungsbereich. Die Gesamtpunktzahl entscheidet dann darüber, welcher der 5 neuen Pflegegrade dem Pflegebedürftigen zugewiesen wird.

 

Kurzfassung

In die Pflegegrade 1 bis 5 werden ab 2017 alle Leistungsempfänger der Pflegeversicherung eingeteilt und erhalten entsprechende Leistungen von ihrer Pflegekasse.

Die fünf Pflegegrade ersetzen die bisherigen, nur noch bis Ende 2016 geltenden Pflegestufen 1, 2 und 3 sowie die Anerkennung erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz z. B. von Demenzkranken ( „Pflegestufe 0“).

Die neue Faustregel ab 2017: Je unselbstständiger und hilfsbedürftiger der Gutachter einen Pflegeversicherten einschätzt, einen umso höheren Pflegegrad und umso höhere Leistungen erhält der Versicherte von seiner Pflegekasse.

Profitieren werden von dieser Neuregelung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs vor allem die etwa 1,5 Millionen Demenzkranken in Deutschland, die lange Zeit nicht alle Leistungen der Pflegeversicherung erhalten haben. Durch diese große Pflegereform sollen endlich alle Demenzkranken die gleichen Leistungen wie körperlich erkrankte Pflegebedürftige bekommen.

Bisher werden nur körperlich erkrankte Versicherte mit Zuteilung einer Pflegestufe 1, 2 oder 3 als Pflegebedürftige von der Pflegeversicherung anerkannt, die zu gewissen Mindestzeiten täglich pflegerische Hilfen benötigen. Dadurch wurden betreuungsbedürftige Demenzkranke, die körperlich noch weitgehend gesund sind, benachteiligt. Denn die Pflegestufen 1, 2 oder 3 mit höheren Leistungen blieben ihnen verwehrt. Das wird sich durch die Neuregelung ab 2017 ändern.

 

INFO

Welchen neuen Pflegegrad erhalten Sie bei Ihrer aktuellen Pflegestufe?

„Pflegestufe 0“ wird Pflegegrad 2

Allen betreuungsbedürftigen Menschen wie Demenzkranken, die 2016 durch ihre eingeschränkte Alltagskompetenz in die Pflegestufe 0 eingestuft sind, werden 2017 automatisch dem Pflegegrad 2 zugewiesen. Damit wird ihnen eine erheblich eingeschränkte Selbstständigkeit bescheinigt.

Pflegestufe 1 wird Pflegegrad 2

Alle Menschen mit nachweislich „erheblicher Pflegebedürftigkeit“ werden ab 2017 automatisch in Pflegegrad 2 eingestuft.

Pflegestufe 2 wird Pflegegrad 3

Alle Menschen mit anerkannter „Schwerpflegebedürftigkeit“ werden von ihrer Kasse automatisch mit Pflegegrad 3 bewertet.

Pflegestufe 3 wird Pflegerad 4

Alle Menschen mit „Schwerstpflegebedürftigkeit“ bekommen 2017 automatisch den Pflegegrad 4 zugewiesen.

Pflegestufe 3 mit Härtefall wird Pflegegrad 5

Härtefälle mit Pflegestufe 3 wird dann ebenfalls automatisch Pflegegrad 5 zuerkannt und die schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung von ihrer Pflegekasse bestätigt.

Hinweise:

Es gibt keine neue Begutachtung für anerkannte Pflegefälle. Alle von den Pflegekassen bereits heute anerkannte Demenzkranke und Pflegebedürftige müssen sich nicht noch einmal nach dem künftig geltenden neuen Prüfverfahren überprüfen lassen.

In der Regel werden nur Pflegeversicherte die ab 2017 ihren ersten Antrag auf Pflegeleistungen stellen, nach dem neuen Begutachtungssystem NBA auf ihre Selbstständigkeit hin beurteilt, ehe ihre Pflegekasse über den entsprechenden Pflegegrad entscheidet.

Nur in besonders dringlichen Fällen werden Pflegeversicherte bereits ab 1. November 2016 nach dem neuen Prüfverfahren persönlich begutachtet.